Bier riechen, Handwerk spüren

Kurze Zusammenfassung:

  • Ein Feierabend in Frastanz wird zu einer überraschenden Reise in die Welt des Bieres.
  • Alex zeigt, warum hinter jedem Sud viel mehr steckt als nur Malz und Hopfen.
  • Zwischen altem Kupferkessel und moderner Technik wird Brauhandwerk spürbar lebendig.
  • In der Gärlounge öffnet sich der Blick auf Bier, Geschichte und die Drei Schwestern.
  • Am Ende bleibt ein Abend, der nach Malz duftet und noch lange nachklingt.

Irgendwann ist Feierabend. Und dann?

Die Vorarlberger Berge werfen bereits lange Schatten, als wir in der Bahnhofstraße in Frastanz ankommen. Die Brauerei liegt direkt gegenüber vom Bahnhof und ist kaum zu verfehlen. Spätestens der leicht süßliche Malzduft zeigt, dass wir richtig sind. Hinter den alten Mauern riecht es nach Malz und Holz – und ein wenig nach Geschichte.

Was uns erwartet? Ehrlich gesagt: irgendwas mit Bier. Womit wir nicht gerechnet haben: dass wir zwei Stunden später noch immer keine Lust haben zu gehen.

🍇 Fun Fact: Bier ist aromatisch viel komplexer, als viele vermuten. Ein Teil der Aromen kommt aus Malz und Hopfen, ein anderer entsteht erst während der Gärung. Je nach Rohstoffen, Hefe und Brauweise können fruchtige, würzige, blumige, harzige, röstige oder sogar rauchige Noten entstehen.

#1 🍇 Fun Fact: Wein hat etwa 400 Aromastoffe. Bier hat über 1.000. Trotzdem gilt Wein als das „kultivierte" Getränk und Bier als das für die Masse. Wer das erfunden hat, hat vermutlich noch nie ein gutes Dunkles getrunken.

Der Guide, der Bier wirklich liebt

Alex empfängt uns. Ein nett lächelnder, sehr lockerer und sympathischer Typ - und ein Guide aus echter Leidenschaft. Schon als Kind fing er an, Bierflaschen zu sammeln. Was damals als Hobby begann, wurde zur Passion, die ihn nie mehr losgelassen hat. Heute ist er Diplom-Biersommelier und seit sieben Jahren das Gesicht hinter den Führungen und Verkostungen bei  frastanzer.

„Irgendwann hat die Brauerei gemerkt: Der kennt sich ja aus", lacht er.
Alexander, Diplom-Biersommelier der Brauerei Frastanz, bei einer Bierverkostung

Zu Beginn stehen wir im großen Hof der Brauerei. Alex lässt den Blick über das Gelände schweifen und fängt an zu erzählen – Daten und Fakten, die man nie mit einer Brauerei in Verbindung gebracht hätte. Dass das Ganze 1902 nicht als Brauerei, sondern als Schutzgemeinschaft begann: Dass das Quellwasser für jedes frastanzer Bier aus einem eigenen Brunnen direkt im Drei-Schwestern-Gebiet kommt. Dass rund 45 Prozent des gesamten Bierausstoßes frisch gezapft in die regionalen Wirtshäuser geht – nicht in Flaschen, sondern direkt vom Fass. Und dass die Brauerei bis heute niemandem gehört, der nicht auch selbst hier trinkt, lebt oder zumindest in der Region verwurzelt ist. Die Geschichte dahinter ist eine eigene, aber jetzt geht's erstmal ins Sudhaus. Und das ist kein normales Sudhaus.

Zu Beginn stehen wir im großen Hof der Brauerei. Alex lässt den Blick über das Gelände schweifen und erzählt von einer Geschichte, die 1902 beginnt: Damals gründeten rund 35 Wirte aus der Region gemeinsam die Brauereigenossenschaft Frastanz. Ihr Ziel war so einfach wie mutig – gegenüber den großen, preisdiktierenden Brauereien unabhängig zu bleiben.

Bis heute ist dieser Gedanke spürbar. Rund 45 Prozent des Bierausstoßes gehen in die Gastronomie. Gleichzeitig zählt die Genossenschaft inzwischen rund 4.000 Mitglieder. Tradition und regionale Verankerung sind hier also keine nachträglich erfundene Markenidee, sondern Teil der Unternehmensgeschichte

Dann geht es ins Sudhaus. Das heutige Sudhaus stammt aus dem Jahr 1954 und ist noch immer in Betrieb. Die denkmalgeschützte Hülle blieb erhalten, im Inneren wird bis heute sichtbar handwerklich gearbeitet. Hier steht keine sterile Showanlage für Besucher, sondern ein echter Teil der laufenden Produktion mit offenem Sudkessel und händische Zugabe von bspw. Hopfen.

Es gibt Brauer, die kommen extra hierher, weil man bei uns noch wirklich richitg brauen lernen kann. Das gibt es nicht mehr oft", erzählt Alex voller stolz.
A smiling man with glasses, a beard, and a beanie hat looks at the camera.

🌾 Fun Fact: Der Unterschied zwischen einem Hellen und einem Dunklen liegt nicht in der Sorte Gerste – sondern darin, wie lange das Malz geröstet wird. Kurz geröstet: hell, mild, süffig. Länger geröstet: dunkel, mit Schokolade, Kaffee, manchmal sogar Rauch. Dieselbe Zutat, völlig anderes Bier. Das Malz ist der eigentliche Künstler.

Helle Malze bringen eher brotige und milde Noten, stärker gedarrte oder geröstete Spezialmalze können an Karamell, Kaffee oder Schokolade erinnern. Schon kleine Anteile dunkler Malze verändern ein Bier deutlich.

A bottle and glass of Frastanzer s'dunkle dark beer, featuring organic quality, with condensation.

#2 🌾 Fun Fact: Der Unterschied zwischen einem Hellen und einem Dunklen liegt nicht in der Sorte Gerste – sondern darin, wie lange das Malz geröstet wird. Kurz geröstet: hell, mild, süffig. Länger geröstet: dunkel, mit Schokolade, Kaffee, manchmal sogar Rauch. Dieselbe Zutat, völlig anderes Bier. Das Malz ist der eigentliche Künstler.

A bottle and glass of Frastanzer s'dunkle dark beer, featuring organic quality, with condensation.

Alex hält inne. Er fragt: „Habt ihr schon mal Bier wirklich gerochen, bevor ihr es trinkt?"

Was folgt, ist eine kurze Lektion in Sensorik, die das eigene Bierverständnis neu sortiert. Ein Weizen duftet nach Banane, nicht weil Banane drin ist, sondern weil die Hefe das produziert. Ein Dunkles bringt Schokolade, Kaffee, leichten Rauch, weil das Malz stärker geröstet wird. Und mit dem Hopfen kann man spielen: bitter, blumig, harzig.

Was Bier wirklich kann

„Bier kann eigentlich mehr als Wein. Allein mit dem Malz kannst du so viel machen – das verstehen die Leute oft erst, wenn sie es selbst riechen." - Alex
A smiling man with glasses, a beard, and a beanie hat looks at the camera.

Die Geschichte der Brauerei reicht bis 1902 zurück, der erste Sud wurde 1903 gebraut. Heute denkt die Brauerei Frastanz längst über die Tradition hinaus: 2010 startete die Brauerei als erste in Vorarlberg mit biozertifizierten Bierspezialitäten. Inzwischen umfasst das Sortiment 10 Sorten in bester Bio-Qualität – und 2027 steht das 125-jährige Bestehen der Genossenschaft an.

💧 Fun Fact: Bier besteht zum größten Teil aus Wasser – und dessen Zusammensetzung spielt beim Brauen eine wichtige Rolle. Entscheidend ist nicht einfach „hart oder weich“: Mineralstoffe und Ionen beeinflussen unter anderem den Brauprozess und die Wahrnehmung des fertigen Bieres.

Das eigene Wasser aus dem Drei-Schwestern-Gebiet ist deshalb weit mehr als nur eine neutrale Zutat und hat direkten Einfluss auf das Bier der Brauerei.

#3 💧 Fun Fact: Bier besteht zu etwa 90 Prozent aus Wasser. Das klingt banal – ist es aber nicht. Denn die Mineralienzusammensetzung des Wassers beeinflusst Geschmack, Schaumbildung und Haltbarkeit massiv. Weiches Wasser macht weichere Biere, hartes Wasser betont die Bitterkeit. Das Quellwasser aus dem Drei-Schwestern-Gebiet hat also direkten Einfluss auf das Bier der Brauerei.

Von der Maische bis ins Glas – der Weg des Bieres

Alex führt uns weiter. Und wer gedacht hat, nach dem Sudhaus kommt ein Keller, der nach Bier riecht – der irrt.

Im Hefekeller erklärt Alex, was während der Gärung passiert. Vereinfacht gesagt: Die Hefe verarbeitet vergärbare Zucker. Dabei entstehen Alkohol und CO₂ – aber auch Aromastoffe, die den Charakter eines Bieres entscheidend prägen.

Genau deshalb kann ein Weizen an Banane erinnern, obwohl keine Banane im Bier steckt.

Und dann kommt die offene Gärung – ein Teil der Produktion, den man heute nicht mehr in jeder Brauerei zu sehen bekommt. In Frastanz bleibt sie bewusst erhalten: Die Gärbottiche sind offen einsehbar, gleichzeitig arbeitet das 2023 in Betrieb genommene Produktionsgebäude mit moderner Technik. Genau dieser Kontrast zieht sich durch die gesamte Brauerei – traditionelles Handwerk dort, wo es gewollt und sinnvoll ist, moderne Prozesse dort, wo sie Qualität und Effizienz verbessern.

„Ich finde es interessant, die Thematik Bier und Brauerei mal aus einem anderen Blickwinkel sehen zu können. Als Konsument sieht man immer nur das fertige Produkt, so bekommt man Einblick wie das Bier überhaupt in die Flasche kommt. Das finde ich wirklich spannend!" - Martina
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🧫 Fun Fact: Hefe ist kein Hilfsmittel – sie ist die Hauptdarstellerin. Ohne Hefe kein Alkohol, kein CO₂, keine Aromen. Ein Weizen riecht nach Banane, weil die Hefe beim Gären Isoamylacetat produziert – denselben Stoff, den auch echte Bananen enthalten. Kein Zusatz, keine Aromatisierung. Reine Biologie.

#4 🧫 Fun Fact: Hefe ist kein Hilfsmittel – sie ist die Hauptdarstellerin. Ohne Hefe kein Alkohol, kein CO₂, keine Aromen. Ein Weizen riecht nach Banane, weil die Hefe beim Gären Isoamylacetat produziert – denselben Stoff, den auch echte Bananen enthalten. Kein Zusatz, keine Aromatisierung. Reine Biologie.

Weiter geht es über den Malzboden, wo früher das Malz gelagert wurde, in die neue stylische Gärlounge. Beide Räume sind Teil der Führung und verbinden die Geschichte des Gebäudes mit der modernen Erlebnisbrauerei.

Größer könnte der Kontrast zwischen dem 124 Jahre altem Gebäude und der modernen Produktion nicht sein.

Tradition trifft auf Moderne – genau hier, zwischen zwei Gebäuden

„Dass die Brauerei Frastanz ihren Sud noch immer in einem denkmalgeschützten Sudhaus aus dem Jahr 1903 ansetzt, mit einer Anlage von 1954 und viel Handarbeit, hat mich sehr beeindruckt. Diese Leidenschaft und Liebe zum Handwerk war für mich sehr inspirierend." - Valentin
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Das denkmalgeschützte Sudhaus besteht seit 1903. Charakter, Seele, Geschichte. Das neue Produktionsgebäude daneben wurde 2023 in Betrieb genommen und beherbergt alle „kalten“ Schritte nach dem „warmen“ Sudhaus. Eine der modernsten Anlagen Österreichs.

🌿 Fun Fact: Hopfen ist die einzige Zutat im Bier, die direkt verwandt ist mit – Cannabis. Beide gehören zur Pflanzenfamilie der Hanfgewächse. Berauschend wirkt der Hopfen im Bier zwar nicht, aber er sorgt für Bitterkeit, Aroma und Haltbarkeit. Und für sehr angeregte Gespräche beim dritten Bier.

#5 🌿 Fun Fact: Hopfen ist die einzige Zutat im Bier, die direkt verwandt ist mit – Cannabis. Beide gehören zur Pflanzenfamilie der Hanfgewächse. Berauschend wirkt der Hopfen im Bier zwar nicht, aber er sorgt für Bitterkeit, Aroma und Haltbarkeit. Und für sehr angeregte Gespräche beim dritten Bier.

Eine Volksbrauerei – im wörtlichsten Sinn

Irgendwann zwischen Bier und Laugenbrezel kommt das Gespräch wieder auf die Genossenschaft. Und plötzlich wird klar, dass sie weit mehr ist als eine historische Fußnote.

1902 schlossen sich rund 35 Wirte aus der Region zusammen. Das massive Brauereisterben in Vorarlberg und der Druck großer Anbieter hatten ihnen gezeigt, dass Unabhängigkeit nur gemeinsam funktionieren würde.

Dieser Gedanke prägt die Brauerei bis heute. Inzwischen zählt die Genossenschaft rund 4.000 Mitglieder und die Zahl steigt stetig weiter.

Ein Geschäftsanteil kostet 500 Euro; Mitglieder haben Sitz und Stimme in der Generalversammlung und erhalten Zugang zu exklusiven Veranstaltungen und Aktionen.

Das Ende – mit Jause, Panorama und dem Gefühl, etwas verstanden zu haben

Die „Gärlounge“ – ein großer Raum mit Bar, Blick auf die offenen Gärbottiche und die umliegende Bergwelt und Platz für bis zu 60 Personen – kann nicht nur nach den Führungen besucht werden. Die Gärlounge kann für private und geschäftliche Veranstaltungen gebucht werden. Hier finden Hochzeiten, Firmenfeiern und Seminare statt. Individuell und passend für jeden Anlass – Mit Führung und Verpflegung.

An diesem Abend sind wir eine überschaubare Gruppe. Bier, Jause, das Lachen von Leuten, die gerade mehr über Hefe gelernt haben als je für möglich gehalten. Unser Guide Alex ist noch dabei, erklärt, antwortet und macht Witze.

Irgendwann neigt sich der Abend, wir trinken aus und gehen. Der Bahnhof liegt glücklicherweise direkt gegenüber.

Der Abend, der eigentlich nur ein Feierabendbier werden sollte, ist längst mehr geworden. Es ist einer dieser Abende geworden, über den man noch lange spricht. Weil man echtes Handwerk gesehen hat, echte Geschichte, echte Menschen. Und weil das Bier am Ende verdammt gut war. Und wir wissen jetzt auch, warum.

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Produziert von Russmedia Digital GmbH für Brauerei Frastanz eGen
Texte: Johannes Walchner Fotos & Videos: Johannes Walchner, Frastanz eGen

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