Vier Köpfe, viele Hände, ein Bühnenbild

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Kurze Zusammenfassung:

  • Ein wandelbares Haus steht im Zentrum der neuen Hausoper und verbirgt hinter schlichter Optik enorme Technik.
  • Jürgen, Shantira und Vincent zeigen, wie aus 16 Teilen, Stahlstangen und Leichtbau ein Bühnenwunder entsteht.
  • Über ein Jahr lang tüfteln die Teams, damit Oval, Bodenplatte und Haus zur Premiere perfekt zusammenspielen.
  • Das Kaschur-Team verwandelt rohe Unterkonstruktionen in Mondlandschaften, Spiegelböden und sichtbare Bühnenmagie.
  • Wenn der Vorhang aufgeht, soll niemand die Mühe sehen – sondern ganz in die Welt von Herrn Brouček eintauchen.

Wenn die Besucher(innen) die neue Oper im Festspielhaus der Bregenzer Festspiele Die Ausflüge des Herrn Brouček besuchen, entdecken sie ein umfangreiches Bühnenbild. Im Mittelpunkt steht ein Haus. Ein Haus, das wandelbar ist – selbst, wenn man dies auf den ersten Blick gar nicht sieht.

„Oft sind die Dinge, die einfach aussehen, am komplexesten. Denn genau in diesen Elementen steckt am meisten Arbeit und diese sind es, die für mich am schönsten sind“, erzählt Jürgen. Jürgen ist eine der Personen, die das Bühnenbild konstruieren und so im Hintergrund für eine gelungene Aufführung sorgen.

„Damit das Haus so leicht wie möglich ist, haben wir es in Leichtbauweise gebaut und jetzt wiegt es rund 600 Kilogramm. Es kann rauf und runter, vor und zurück gefahren und auch gedreht werden.“

Shantira

„Ich kann bei meinem Beruf alles vereinen, was ich an beruflichen Erfahrungen mitbringe, von meinem Job als Clown über Eventmanagerin bis hin zur Musikpädagogin. Es ist, als ob sie auf mich gewartet hätte.“

Neben Jürgen sind auch Shantira und Vincent Teil des Tischler-Teams, das viele Elemente des Bühnenbildes wie dem 150 Quadratmeter großem Oval oder der 20 Meter breiten Bodenplatte gebaut hat. Die vielen Segmente ergeben schließlich auf der Bühne eine Einheit. „Das Oval besteht aus 16 Teilen, die in einer Sandwichbauweise gebaut wurden. Damit während der Aufführungen alles stabil ist, werden die Streifen an Stahlstangen aufgefädelt – ähnlich wie eine Perlenkette“, beschreibt Jürgen.

Long rows of wooden beams are clamped together in a spacious workshop with an overhead crane and various tools.

Damit alles rechtzeitig zur Premiere fertig wird, arbeitet das Team der Bregenzer Festspiele bereits seit über einem Jahr daran. „Als die letzten Arbeiten für die Produktionen 2025 abgeschlossen waren, haben wir mit mehreren Projekten für 2026 gestartet“, berichtet Shantira. Zunächst gibt es eine Präsentation, wie das Bühnenbild aussieht und im Anschluss gehen die verschiedenen Teams in die Planung, wie die Realisierung am besten gelingen kann. „Damit alles fachgerecht umgesetzt wird und während der Aufführungen alles reibungslos verläuft, haben wir mit einem Statikbüro zusammengearbeitet“, erklärt Jürgen.

„Wie ein Lego Bausatz“

Jürgen hat bereits im September damit angefangen, die Konstruktion zu zeichnen. Noch bevor dieser Prozess abgeschlossen war, wurde bereits mit der Fertigung begonnen. Die einzelnen Komponenten werden in einer Halle in Dornbirn angefertigt, bevor sie nach Bregenz transportiert werden. „Ich bin etwa seit dem Frühjahr hier und arbeite an den Einzelteilen“, erklärt Vincent, der seit rund zwei Jahren im Tischlerei-Team ist. Die Teile werden CNC-gefräst, aneinander geleimt und dazwischen kommt Dämmstoff – so werden sie Schicht für Schicht in einer Sandwichbauweise gebaut.

„Die Herausforderung war, dass die Sandwich-Platten des Hauses zwölf Zentimeter dick sind. Durch die Geometrie des Hauses, haben sich an den Gehrungen, Schnitttiefen von bis zu knapp zwanzig Zentimeter ergeben. Und das Zerspanen von Holz mit so tiefen und schrägen Schnitten auf der CNC-Maschine war nicht einfach“, erklärt Shantira lächelnd. Doch am Ende hat alles geklappt und nun kann das Haus an den Drehkranz des Mastes, welches von Lukas und seinem Schlosserei-Team gebaut wurde, geschraubt werden. Dank dieses Mastes ist das Haus beweglich und höhenverstellbar.

Während Jürgen bereits seit 2018 bei den Bregenzer Festspielen arbeitet, ist es für Shantira das vierte Jahr bei den Festspielen. „Als ich mit meiner Lehre zur Tischlerin fertig war, habe ich mich beworben. Die Bühnenbilder auf dem See haben mich immer schon fasziniert und ich fand sie schon als kleines Kind beeindruckend“, erinnert sich Shantira, die in Lindau aufgewachsen ist. Eine Arbeit mit viel Abwechslung, das schätzt nicht nur sie, sondern auch Vincent, der seit etwa zwei Jahren im Team ist.

„Jedes Jahr lassen wir etwas Neues entstehen und jedes Mal sind es Unikate. Am coolsten ist das Tüfteln und Konstruieren, wie man ein Bühnenbild realisieren kann und wenn man es am Ende auf der Bühne sieht, bei der Aufführung, das ist jedes Mal ein Traum.“

Vincent

„Das Faszinierende für mich ist, dass wir Teil von etwas Großem sind. Wir bekommen das Modell, bearbeiten es mit dem CAD-Programm. Und am Schluss, wenn alles fertig ist, wir es zusammenbauen und wir sehen, wie es aussieht – das ist ein besonders schöner Moment für mich“, beschreibt Jürgen.

Nachdem die Teams der Tischlerei und Schlosserei ihre Arbeit abgeschlossen haben, ist die Kaschur-Abteilung im Einsatz. Robert und seine Mitarbeiter(innen) sorgen dafür, dass sich die Balken und Flächen der Unterkonstruktionen in Mondoberflächen oder eine Schlammlandschaft verwandeln. „Mit meinem Team kümmere ich mich um alle sichtbaren Oberflächen auf der Bühne, wir sind Bühnenmaler(innen) und Plastiker(innen)“, beschreibt Robert die Aufgabe.

Artist meticulously applies granular material to a large circular floor drawing, creating intricate patterns.

Die Vorarbeit macht Robert, der seit 2013 bei den Bregenzer Festspielen arbeitet, am meisten Spaß: Sich Gedanken machen, wie und mit welchem Material sich etwas umsetzen lässt, dass es am Schluss gut aussieht. Das Arbeiten an der Oper im Festspielhaus Don Quichotte, welche 2019 aufgeführt wurde, war für Robert eine der schönsten Arbeiten, genauso wie die Elemente für Der Freischütz, welcher vergangene Festspielsaison gespielt wurde.

„Das Kaschur-Team kann seine kreative Seite voll und ganz ausleben. Denn im Endeffekt muss es nicht nur gut aussehen, sondern auch lange halten. Besonders die Elemente der Seebühne müssen Wind und Wetter trotzen. Und wenn etwas nicht mehr so schön ist, bessern wir es aus.“

Robert

Jedes Bühnenbild hat andere Herausforderungen. Bei Die Ausflüge des Herrn Brouček ist laut Robert der Mondboden auf dem Spiegel besonders komplex. „Die Mond-Malerei gestaltet sich eher schwierig und auch die Größe von 13 mal 17 Metern macht das Ganze nicht einfacher“, erklärt er.

Wenn sich am 23. Juli das erste Mal der Vorhang hebt und die Zuschauer(innen) das Bühnenbild erblicken, sieht niemand von ihnen die vielen Komponenten der Bühne. Und genau das ist das Ziel.

Jürgen, Shantira, Vincent und Robert arbeiten nicht dafür, dass man ihre Arbeit sieht. Sie arbeiten dafür, dass die Besucher(innen) in eine andere Welt eintauchen können. Es ist ein gemeinsames Werk, ein Stück Handwerk und ein Stück Kreativität. Und wenn am Ende Applaus durch den Saal klingt, gilt er nicht nur den Menschen auf der Bühne, sondern auch jenen, die im Hintergrund dafür sorgen, dass diese Welten überhaupt entstehen können.