Kurze Zusammenfassung:
Lorena, Leonie und Kathrin lernen bei der Liebherr-Werk Nenzing GmbH den Beruf Konstrukteur(in), alle drei sind über einen Schnuppertag dazugekommen.
Konstruktion bedeutet technische Zeichnungen, Berechnungen und Materialauswahl für Krane, Bagger und Bohrgeräte, die weltweit im Einsatz sind.
Der Beruf gilt als besonders anspruchsvoll: Nur zwei Ausbildungsplätze pro Jahr, dafür entscheiden sich zuletzt auffällig viele junge Frauen dafür.
Ein Motorflansch, an dem mehrere Abteilungen fast einen Monat lang gemeinsam tüftelten, zeigt, wie sehr der Job auf Teamarbeit setzt.
Im September startete erstmals eine Duale Akademie in der Konstruktion und am 17. Oktober öffnet Liebherr beim Lehrlingsinfotag seine Tore für Interessierte.
Irgendwo auf einer Großbaustelle hebt ein Kran eine tonnenschwere Last in die Luft. Kaum jemand schaut länger hin als einen kurzen Moment. Lorena schon. Die 18-Jährige aus Ludesch bleibt bei so einem Anblick öfter stehen als andere. „Man sieht einen Kran, aber man weiß nie, was dahintersteckt", sagt sie. Genau das hat sie fasziniert, lange bevor sie wusste, dass sie selbst einmal an solchen Maschinen mitkonstruieren würde. Heute sitzt sie an ihrem Bildschirm, umgeben von 3D-Modellen, Stücklisten und Berechnungen, mitten im vierten Lehrjahr zur Konstrukteurin.
„Jedes Bauteil, das produziert wird, braucht eine genaue Definition.“
Was Konstruktion bei Liebherr heißt
Der Satz stammt von Kathrin, 21, aus Röns, die gerade ihr zweites Lehrjahr bei der Liebherr-Werk Nenzing GmbH absolviert. Sie meint damit: Bevor irgendwo eine Schraube sitzt oder eine Schweißnaht gezogen wird, muss jemand festgelegt haben, wie genau das Teil aussehen muss. Genau das passiert in der Konstruktionsabteilung bei Liebherr. Die drei erstellen technische Zeichnungen, berechnen Bauteile und ganze Baugruppen und wählen Materialien nach Funktion und Kosten aus, am Bildschirm mit moderner CAD-Software und oft in enger Abstimmung mit Statik, Hydraulik, Stahlbau und allen Abteilungen, die mitentwickeln.

„Man muss sich im Vorhinein Gedanken machen, wie man die Konstruktionen platztechnisch unterbekommt und wie die fertigen Teile später aussehen sollen“, sagt Kathrin
Was am Bildschirm entsteht, verlässt Nenzing später fast immer: Über 1.900 Menschen arbeiten am Standort, 99 Prozent der Maschinen gehen in den Export, auf alle Kontinente. Der Standort wurde 1976 gegründet, damals noch für den Bau von Schiffs- und Offshore-Kranen. Heute, 50 Jahre später, laufen hier Seilbagger, Spezialtiefbaumaschinen und Raupenkrane für Großbaustellen und Infrastrukturprojekte weltweit vom Band. Konstrukteurin oder Konstrukteur zählt trotzdem zu den kleinsten Lehrberufen am Standort: Pro Jahr gibt es nur zwei Ausbildungsplätze, Schwerpunkt Stahlbautechnik, vier Jahre lang, mit wöchentlichem Berufsschulunterricht in Bludenz.
Wie drei ziemlich unterschiedliche Wege im selben Büro endeten
Lorena wollte zuerst Maschinenbautechnik oder Mechatronik lernen. Erst ein Schnuppertag in der Konstruktion brachte sie zum Umdenken, und sie blieb. Leonie, 20, aus Batschuns, hat sich vorher als technische Zeichnerin und als Konstrukteurin umgeschaut, bevor sie sich für Letzteres entschied.

„Hier bin ich freier in der Arbeit. Beim technischen Zeichnen muss man sich strikt an die Vorgaben halten. In der Konstruktion habe ich die Möglichkeit Dinge zu entwickeln und Wege zu finden“, sagt sie über die Entscheidung.
Kathrin dagegen wusste schon vorher genau, wohin sie wollte. Ihr Bruder machte dieselbe Lehre in einer anderen Firma. Sie entschied sich bewusst für eine andere Firma, erzählt sie. Was die drei eint, ist der Schnuppertag: Über diesen Weg sind in den vergangenen zwei Jahren auffällig viele junge Frauen in der Konstruktion gelandet. Ausbilderin Verena bestätigt den Trend, dass inzwischen immer mehr Frauen in die Technik kommen:

„Dass sich momentan so viele Mädchen bei uns bewerben, ist Zufall. Bei uns ist jeder willkommen, der Interesse mitbringt und motiviert ist. Ganz unabhängig davon, ob Mädchen oder Bursche.“





Ein Monat für einen Flansch
Wer sich fragt, wie lange die Konstruktion eines solchen Riesen dauert, bekommt durch dieses Beispiel eine Ahnung davon. Das Projekt, auf das Lorena bis heute am stolzesten ist, war ein Motorflansch. Eigentlich unscheinbar, bis zwei Drehzahlsensoren hineinsollten und sich herausstellte, dass das Material dafür zu dick war. Also musste das Teil zweiteilig werden. Nur: Schweißen ging wegen der Passungen nicht. „Das war eine langwierige Geschichte", erinnert sich Lorena. Gelöst hat es am Ende nicht sie allein, sondern mehrere Abteilungen gemeinsam, zeitweise sogar in Abstimmung mit einem anderen Liebherr-Standort.
Fast ein Monat verging, bis die Lösung stand. Für Verena gehört es zum Konstruktionsalltag, dass nicht immer alles nach Plan läuft: „Man denkt, man hat es in zwei Tagen erledigt, und dann gibt es so viele Kleinigkeiten, dass man oft neue Pläne machen muss.“ Was bleibt, ist ein Team, das sich in solchen Momenten aufeinander verlässt, mit fixen Ansprechpartnern, die je nach Projekt wechseln.
Ein Rotationsplan, viele Abteilungen, ein fixer Punkt
Wie ein Tag aussieht, hängt bei allen drei vom Projekt ab. Lorena checkt morgens zuerst Outlook und Teams, dort stehen die Änderungsaufträge. Kathrin bespricht mit Verena, woran sie gerade arbeitet, oft weiterführend am Projekt vom Vortag, manchmal an etwas komplett Neuem. Ab dem dritten Lehrjahr gibt es Gleitzeit, die Leonie gerne nutzt: Sie kommt früher, um abends mehr Zeit zu haben. Alle Lehrlinge durchlaufen einen Rotationsplan, um verschiedene Abteilungen kennenzulernen. In der Konstruktion starten sie bei Verena mit den Grundlagen in CAD und Berechnungen sowie Fachkundestunden, in denen Theorie und Praxis verbunden werden. Dazu kommt eine individuelle Vorbereitung auf die jeweiligen Prüfungen.

„Allein im ersten halben Jahr hätte ich nicht gewusst, wo überhaupt etwas ist", sagt Kathrin über ihren Start. Heute kennt sie die Wege.
Warum es in der Konstruktion nicht nur einen Typ Mensch braucht
Kathrin bringt vor allem technisches Interesse und Kreativität mit. „Gerade am Anfang hilft das bei der Problemlösung", sagt sie.

„Räumliches Denken und Teambereitschaft sind für mich unglaublich wichtig. Ohne Kommunikation und die Bereitschaft, einander zu helfen, funktioniert in der Konstruktion wenig“, erzählt uns Leonie.
Diskutiert wird viel, auch wenn Meinungen oder Lösungswege auseinandergehen. Voneinander lernen sie dabei ständig – vom Skizzieren über den Umgang mit dem 3D-Programm bis hin zu allem, was zum Konstruieren dazugehört. Aber auch Verena lernt von ihren Lehrlingen: „Man ist oft sehr festgefahren, wie man Dinge oder Programme benutzt. Bei Lehrlingen sieht man oft, dass sie Dinge anders angehen", sagt sie und schätzt genau diese Kreativität.
Ausbildung mit Matura, in drei statt vier Jahren
Neu bei Liebherr in Nenzing: Ab September startet erstmals ein Trainee über die Duale Akademie im Bereich Konstruktion. Der Unterschied zur klassischen Lehre: Wer die Matura mitbringt, absolviert die Ausbildung in drei statt vier Jahren, mit Blockschulunterricht und Zusatzqualifikationen wie Cambridge-Englisch oder Projektmanagement. Für Verena selbst begann der berufliche Weg mit einer Lehre als Konstrukteurin nach dem Abitur. Anschließend arbeitete sie mehrere Jahre in diesem Beruf. 2020 begann sie, selbst Lehrlinge auszubilden, und ergänzte ihre praktische Erfahrung später noch durch ein Studium. Seit Sommer 2025 ist sie bei Liebherr als Vollzeitausbilderin tätig. Viele entscheiden sich inzwischen für eine weiterführende Schule statt für eine Lehre. Ihr Fazit fällt trotzdem klar aus: „Technische Jobs sind immer wichtig, die kann man nicht mit KI ersetzen."

Von Skitouren, Volleyball und Motorradfahren
Neben der Arbeit bleibt Zeit für ganz andere Dinge: Leonie ist beim Skiverein und beim Musikverein aktiv, Lorena zieht es für den Ausgleich in die Natur und in den Sport, Kathrin fährt Motorrad und spielt Volleyball. Was ihnen allen wichtig ist, bringt Lorena auf den Punkt:

„Was ich besonders schätze: Bei Liebherr werden Lehrlinge stark gefördert. Wenn man mal Probleme beim Lernen hat, wird geholfen und man stößt überall auf offene Ohren."
Auch bei der Lehre mit Matura gab es nie Diskussionen um freie Nachmittage für die Schule. Heuer nimmt Liebherr in Nenzing 40 neue Lehrlinge auf, 13 davon Frauen, insgesamt bildet der Standort 133 Lehrlinge in zehn Lehrberufen aus. Wer selbst hineinschnuppern will, kann das beim Lehrlingsinfotag am 17. Oktober tun.





