Wenn der Strom vom Nachbarn kommt

• Strom vom Nachbarn statt ausschließlich vom großen Energieanbieter: Erneuerbare Energiegemeinschaften ermöglichen es, regional erzeugten Ökostrom gemeinsam zu nutzen.

• Mitmachen kannst du auch ohne eigene Photovoltaikanlage, denn Energiegemeinschaften verbinden Menschen, die Strom erzeugen, mit jenen, die ihn benötigen.

• Neben mehr Regionalität können Mitglieder von günstigeren Netzentgelten und besser planbaren Strompreisen innerhalb der Gemeinschaft profitieren.

• Stefan Vetter, EEG-Vorstand bei Raiffeisen Montfort, erklärt im Gespräch mit Moderator Georg Burtscher, warum Energiegemeinschaften weit mehr sind als ein Modell zum Stromsparen.

• Hinter dem Konzept steckt eine vertraute Idee: Gemeinsam können Menschen etwas erreichen, das für Einzelne allein oft schwierig wäre.

Stell dir vor, du sitzt am Küchentisch, die Kaffeemaschine läuft und dein Handy hängt am Ladekabel. Alles ganz normal. Doch der Strom, den du gerade verbrauchst, könnte von einer Photovoltaikanlage nur wenige Häuser weiter stammen. Von Menschen, denen du vielleicht morgens beim Spaziergang begegnest.

„Wenn jemand mit seiner Photovoltaikanlage Strom erzeugt und ein anderer diesen benötigt, können sie sich zu einer Energiegemeinschaft zusammenschließen und den Strom gemeinsam nutzen.“

Man in suit and glasses, seated, gesturing with hands during a discussion.

Stefan Vetter, Vorstand der Raiffeisenbank Montfort

Was früher undenkbar schien, wird durch Energiegemeinschaften möglich. Menschen erzeugen Strom, andere brauchen ihn. Und anstatt alles getrennt voneinander zu organisieren, schließen sie sich zusammen.

So einfach beschreibt er das Prinzip in der 31. Folge von Raiffeisen Live mit Moderator Georg Burtscher. Was technisch durchaus komplex ist, beginnt mit einer menschlichen Idee: Warum nicht gemeinsam nutzen, was direkt vor unserer Haustür entsteht?

Gemeinsam statt jeder für sich

Die Energiekrise hat vieles verändert. Plötzlich waren Stromrechnungen nicht mehr bloß ein weiterer Brief im Postkasten. Sie wurden zum Gesprächsthema am Familientisch. Menschen begannen zu überlegen, wie sie unabhängiger werden und ihre Energiekosten besser im Griff behalten könnten. Gleichzeitig wurden auf immer mehr Hausdächern Photovoltaikanlagen installiert. Doch damit entstand eine neue Frage: Wohin mit dem Strom, den man selbst gerade nicht braucht?

Genau hier setzen Erneuerbare-Energie-Gemeinschaften, kurz EEG, an. Wer Strom produziert, kann ihn innerhalb der Gemeinschaft zur Verfügung stellen. Wer Strom benötigt, kann davon profitieren. Und das Beste: Du musst nicht einmal eine eigene Photovoltaikanlage besitzen.

Ob du in einem Einfamilienhaus wohnst, zur Miete lebst oder ein Unternehmen führst: Grundsätzlich können ganz unterschiedliche Menschen und Organisationen teilnehmen. Entscheidend sind unter anderem die technischen und rechtlichen Voraussetzungen.

Das Ziel ist nicht, dass alle alles selbst produzieren. Sondern dass vorhandene Energie möglichst sinnvoll genutzt wird.

„Was einer nicht vermag, das vermögen viele.“

Stefan Vetter

Vorstand der Raiffeisenbank Montfort

Der Gedanke, gemeinsam mehr zu erreichen, prägt Raiffeisen bis heute. Wie vielfältig dieses Prinzip in Vorarlberg gelebt wird, zeigen die Raiffeisengenossenschaften in Vorarlberg.

Was bringt dir das wirklich?

So schön der Gemeinschaftsgedanke ist: Spätestens bei der nächsten Stromrechnung stellt sich eine ganz praktische Frage. Kannst du damit auch Geld sparen? Die Antwort lautet: Ja, unter bestimmten Voraussetzungen.

In einer Energiegemeinschaft vereinbaren die Mitglieder, zu welchen Konditionen Strom geteilt und verrechnet wird. Bei den von Vetter beschriebenen Modellen werden die Preise üblicherweise für ein Quartal im Voraus festgelegt.

„Das bringt Planbarkeit. Wer Strom einspeist, weiß, was dafür verrechnet wird. Und wer ihn bezieht, kennt den vereinbarten Preis.“

A man in a grey suit, light blue shirt, and glasses smiles at the camera.

Stefan Vetter

Vorstand der Raiffeisenbank Montfort

Bei lokalen oder regionalen EEGs können außerdem bestimmte Netzentgelte reduziert werden. Je nach Netzebene und Konstellation gelten unterschiedliche Vergünstigungen. Wichtig dabei: Die Ermäßigung betrifft nicht automatisch die gesamte Stromrechnung.

Was das bedeutet? Eine Energiegemeinschaft kann finanziell attraktiv sein, muss aber nicht zu jedem Zeitpunkt den günstigsten Strom bieten. „Das kann sich eine Energiegemeinschaft nicht leisten“, sagt Stefan Vetter und macht damit deutlich, dass auch eine Gemeinschaft wirtschaftlich vernünftig handeln muss. Sie ist kein Stromanbieter mit unbegrenzten Reserven und kein Garant für den niedrigsten Marktpreis. Gerade diese Offenheit macht das Modell greifbar: Es geht um einen echten Vorteil für die Mitglieder, nicht um unrealistische Versprechen.

Wer selbst über eine Photovoltaikanlage nachdenkt, kann auch bei der Finanzierung auf regionale Unterstützung setzen.

Du brauchst kein eigenes Dach voller Solarmodule

Vielleicht hast du dich längst mit Photovoltaik beschäftigt. Aber dein Wohnhaus hat kein geeignetes Dach. Vielleicht wohnst du in einer Wohnung oder möchtest schlicht keine eigene Anlage anschaffen. Auch dann kann eine Energiegemeinschaft interessant sein.

Denn sie lebt gerade davon, dass Menschen unterschiedliche Voraussetzungen mitbringen. Die einen produzieren mehr Strom, als sie selbst verbrauchen. Andere benötigen Strom, können aber keinen eigenen erzeugen. Und wieder andere machen beides. Diese sogenannten Prosumer sind gleichzeitig Produzent:innen und Verbraucher:innen.

Je besser diese unterschiedlichen Bedürfnisse zusammenpassen, desto sinnvoller lässt sich die verfügbare Energie verteilen. Und plötzlich wird aus einer kleinen Idee ein Projekt für ganze Nachbarschaften oder Ortsteile.

Wenn die Sonne einmal nicht scheint

Ein Sommertag, wolkenloser Himmel, die Photovoltaikanlagen produzieren reichlich Strom. Klingt perfekt. Doch was passiert im November? Wenn es früh dunkel wird, tagelang regnet und die Sonne kaum durch die Wolken kommt? Genau hier zeigt sich, warum Energiegemeinschaften gut durchdacht sein müssen.

Photovoltaik liefert nicht rund um die Uhr gleich viel Strom. Im Winter ist die Produktion geringer, während der Bedarf hoch sein kann. Vetter sieht deshalb großes Potenzial in einem ausgewogenen Energiemix.

Two men on chairs in a TV studio with a large curved screen displaying an autumn landscape, a camera, and a production monitor.

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Neben Sonnenstrom könnte beispielsweise auch regional erzeugte Wasserkraft eine Rolle spielen.

Das macht eine Gemeinschaft zwar nicht vollständig unabhängig vom übrigen Stromnetz. Es kann aber helfen, Erzeugung und Verbrauch besser aufeinander abzustimmen. Und keine Sorge: Wenn innerhalb der Gemeinschaft gerade nicht genügend Strom verfügbar ist, bleibt dein bisheriger Stromlieferant für den restlichen Bedarf zuständig.

Eine Idee, die mehr als 130 Jahre alt ist

Dass sich ausgerechnet Raiffeisen mit Energiegemeinschaften beschäftigt, ist kein Zufall. Die Wurzeln der Genossenschaft reichen in eine Zeit zurück, in der Menschen aufeinander angewiesen waren, um wirtschaftliche Herausforderungen zu bewältigen.

Raiffeisen Montfort gehörte laut Vetter zu den frühen Initiator:innen entsprechender Gemeinschaftsmodelle in Vorarlberg. Mittlerweile engagiert sich Raiffeisen in mehreren Energiegemeinschaften im Land. Besonders wichtig ist ihm dabei, dass sich die Bank nicht ausschließlich auf klassische Finanzdienstleistungen beschränkt."

„Wir wollen wirklich auch Problemlöser für aktuelle Themen für die Menschen in der Region sein.“
Stefan Vetter
Vorstand der Raiffeisenbank Montfort

Hier geht's zum ganzen Interview mit Stefan Vetter

Dahinter steht ein Anspruch, den Vetter als Teil der genossenschaftlichen Verantwortung versteht: Mehrwert dort schaffen, wo die Menschen leben.

Wie aus dem traditionellen Genossenschaftsgedanken konkrete Projekte für die Region entstehen, zeigen auch die regionalen Initiativen von Raiffeisen Montfort.

So einfach kannst du mitmachen

Wer jetzt neugierig geworden ist, muss sich nicht zuerst durch komplizierte technische Unterlagen arbeiten. Der erste Schritt ist, sich bei einer passenden Energiegemeinschaft zu informieren und die Teilnahmevoraussetzungen prüfen zu lassen. Nach der Anmeldung und den erforderlichen Freigaben kann der innerhalb der Gemeinschaft verfügbare Strom anteilig zugeteilt werden. Bei der Raiffeisen Vorarlberg Bürgerenergiegemeinschaft können sich sowohl Menschen mit eigener Stromproduktion als auch reine Stromverbraucher:innen über eine Mitgliedschaft informieren.

Du möchtest Teil einer Energiegemeinschaft werden?

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Produziert von Russmedia Digital GmbH für Raiffeisenbank Montfort eGen

Texte: Stephanie Herweg - Fotos & Videos: Russmedia Digital, LändleTV, Raiffeisenbank Vorarlberg

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