
„Meine Eltern wohnen neben uns und haben einen Pool. Obwohl ein Zaun da ist, besteht dennoch immer ein Sicherheitsrisiko“
Wasser übt auf Kinder eine besondere Anziehungskraft aus. Auch wenn ihre Tochter Amelie sicher schwimmen kann, bleibt bei Claudia stets die Sorge, dass etwas passieren könnte.
Kurze Zusammenfassung:
- Planschen im Pool klingt nach Sommerglück, doch für Kinder kann Wasser gefährlich werden.
- Schwimmenlernen beruhigt, ersetzt aber nie wachsame Augen und klare Sicherheitsregeln.
- Der Wasser-Sicherheits-Check zeigt Kindern, wie sie nach einem Sturz ruhig bleiben und sich im Wasser verhalten sollen.
- Drei Übungen trainieren, was im Ernstfall zählt: Orientierung, schweben, schwimmen und selbst aussteigen können.
- Für Amelie wird Üben zum Spiel – und für ihre Familie zu einem wichtigen Stück Sicherheit am Wasser.
Viele Eltern verlassen sich darauf, „in der Nähe zu sein“. Doch schon ein kurzer Moment der Unachtsamkeit kann ausreichen. In nahezu allen Fällen von Ertrinken befanden sich Kinder zwar in unmittelbarer Nähe von Erwachsenen, wurden jedoch nicht ausreichend oder gar nicht beaufsichtigt.
Bereits wenige Zentimeter Wassertiefe können zur tödlichen Gefahr werden. Kinder ertrinken still und plötzlich. Besonders kleinere Kinder sind nicht in der Lage, den Kopf über Wasser zu halten, da der Totstellreflex sie regelrecht erstarren lässt.
„Amelie hat früh schwimmen gelernt. Dass sie es lernt, war mir sehr wichtig und es beruhigt mich, denn Schwimmflügel und Co. sind keine sichere Alternative. Seither ist sie noch lieber – und auch oft – bei ihren Großeltern im Pool am Planschen.“
Claudia
Nicht nur Eltern brauchen das Gefühl von Sicherheit am und im Wasser – gerade für Kinder kann dies entscheidend sein. Dazu gehört, dass sie wissen, wie sie sich in einer Notsituation verhalten und richtig reagieren können. Denn selbst gute Schwimmer(innen) sind nicht automatisch darauf vorbereitet, im Ernstfall ruhig zu bleiben und entsprechend zu handeln. Hier setzt der Wasser-Sicherheits-Check an: Mit nur drei einfachen Übungen lässt sich umsichtiges Verhalten im Wasser gezielt trainieren und nachhaltig stärken.
„Ziel des Wasser-Sicherheits-Checks ist es, dass Kinder der zweiten und dritten Klasse Volksschule lernen, wie sie sich in Notsituationen ruhig verhalten und selbstständig aus dem Wasser retten können”, erklärt Lisa Schordje von Sicheres Vorarlberg. Jährlich absolvieren rund 1.200 Volksschüler(innen) das Training mit Schwimmtrainer(inne)n wie Nicole.
„Der Wasser-Sicherheits-Check ersetzt keinen Schwimmkurs, sondern soll den Kindern zeigen, wie sie sich selbst aus dem Wasser retten können, wenn sie überraschend, unfreiwillig ins Wasser stürzen – es ist ein reines Überlebenstraining.“
Nicole
Nicole engagiert sich seit über 30 Jahren in der Wasserrettung und ist ausgebildete Schwimmtrainerin. „Bereits mit 17 Jahren habe ich bei der Wasserrettung Kindertrainings geleitet. Meine Laufbahn als Schwimmtrainerin entwickelte sich eher zufällig: Immer wieder wurde ich gebeten zu zeigen, wie man korrekt krault. So ergab es sich, dass ich neben meiner beruflichen Tätigkeit Schwimmkurse angeboten habe“, erinnert sie sich. Im Jahr 2019 wagte sie den Schritt in die Selbstständigkeit und unterstützt von Beginn an das Projekt Wasser-Sicherheits-Check.

Amelie, Adam und Felix zeigen, wie die Übungen funktionieren:
Rolle ins Wasser & auftauchen
So geht's
•eine Hand schützt den Hinterkopf - die andere Hand ist hinterm Knie - langsam mit einer Rolle ins Wasser gleiten - kurz orientieren und selbstständig auftauchen - Für einen optimalen Ablauf der Übung: ganz nah am Beckenrand stehen. Wichtig ist auch, dass das Wasser tief genug ist.
Cooler Tipp zum Üben:
Sich wie ein Igel klein machen und wenn möglich unter Wasser die Augen öffnen.
Warum diese Übung?
Diese Übung hilft, nach einem unerwarteten Sturz ruhig zu bleiben. Wer sich kurz orientieren kann, findet schneller wieder an die Oberfläche.
1 Minute über Wasser bleiben – „schweben"
So geht's
•eine Minute selbstständig über Wasser halten - schwimmen ist nicht nötig – oben bleiben zählt
Cooler Tipp zum Üben:
Den Kopf weit nach hinten und den Bauch nach oben strecken – wie ein Seestern.
Warum diese Übung?
Zeit gewinnen, bis Hilfe da ist – das kann entscheidend sein.
50m schwimmen & selbstständig aussteigen
So geht's
•50m schwimmen - beim Aussteigen: Hände auf den Beckenrand legen - Hochdrücken - Knie nach außen ziehen oder Bauch auf den Rand legen und rausrollen
Cooler Tipp zum Üben:
Erst im flachen Wasser üben. Erwachsene dürfen leicht stützen und Schritt für Schritt steigern.
Warum diese Übung?
Sicher schwimmen heißt auch, wieder sicher und selbstständig ohne Leiter aus dem Wasser zu kommen.
„Die meisten Kinder mögen das Wasser“, erklärt Schwimmtrainerin Nicole. Es übt eine besondere Anziehungskraft auf sie aus, egal ob Pool, Biotop oder See. Das unbeschwerte Planschen im Wasser zählt zu den beliebtesten Freizeitbeschäftigungen. Doch die Kehrseite der Medaille ist, dass Ertrinken die zweithäufigste Unfallart mit Todesfolge bei Kindern ist. Auch wenn Ertrinken in Filmen oft anders dargestellt wird, Kinder und auch Erwachsene können nicht mehr um Hilfe rufen.
Auch wenn Kinder vermeintlich sicher schwimmen können, sollten Eltern sie nie unbeaufsichtigt lassen und die Aufsichtspflicht wahrnehmen.
„In drei zweistündigen Einheiten zeigen wir den Kindern die drei Übungen. Idealerweise können die Kinder schon schwimmen, das ist aber keine Voraussetzung. Anschließend an die Trainingseinheiten können sie den Wasser-Sicherheits-Check absolvieren.“
Nicole
Wer den Wasser-Sicherheits-Check bestehen will, muss folgende Aufgaben hintereinander und ohne Unterbrechung lösen:
Während Amelie gemeinsam mit ihren Freunden Adam und Felix die Übungen sicher, flüssig und ohne Scheu absolviert, begegnen viele Kinder dem Wasser zunächst mit Respekt. Schwimmtrainerin Nicole erklärt dazu: „Einige Kinder sind noch unsicher oder ängstlich. Mir ist es wichtig, ihnen Vertrauen zu vermitteln und individuell auf ihr jeweiliges Lerntempo einzugehen.“
Rafael, 9 Jahre
Mona, 9 Jahre
Üben, üben, üben
„Amelie übt die Bewegungsabläufe regelmäßig mit ihrem Opa“, berichtet Claudia und zeigt sich darüber sehr erfreut: „Es gibt mir ein großes Gefühl der Sicherheit, dass sie im Ernstfall weiß, wie sie sich richtig verhält – etwa wie sie sich über Wasser hält oder selbstständig aus dem Wasser kommt. Zudem bereiten ihr die Übungen große Freude, und es ist mir wichtig, dass sie spielerisch Sicherheit im Wasser gewinnt.“
Claudia
Auch Nicole unterstreicht die Bedeutung regelmäßiger Wiederholung: „Idealerweise werden die Übungen bei jedem Schwimmbadbesuch eingebaut – am besten gleich zu Beginn, bevor das Spielen und Toben startet.“ Denn nur wenn Kinder die Bewegungsabläufe verinnerlicht haben, sind sie im Ernstfall in der Lage, angemessen zu reagieren.
Ertrinkungsunfälle gehen häufig mit tödlichen oder schwerwiegenden gesundheitlichen Folgen einher. Daher ist es neben soliden Schwimmkenntnissen besonders wichtig, auch Selbstrettungskompetenzen gezielt zu erlernen. Für Aufsichtspersonen gilt dabei: volle Aufmerksamkeit – Ablenkungen etwa durch das Handy sollten konsequent vermieden werden.
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