Das Rad steht und der Plan ging auf
Audio wurde mit KI generiert
Kurze Zusammenfassung:
- Eine Unternehmerin, die Mobilität als Haltung lebt — und nicht erst fragt, sondern einfach macht
- Warum Vorarlbergs starkes Öffi-Netz trotzdem lange eine Lücke hatte
- Was 21 feste Stationen mit einer Trampolinhalle zu tun haben
- Wie ein Mitarbeiter in der Mittagspause zum besten Argument für Bikesharing wird
- Und ob das Netz nach zwei Jahren wirklich weitergeht
Brigitte wollte schon immer, dass die Leute mit dem Rad zu ihr kommen.
Als sie 2021 Highmatrausch eröffnete, war die Entscheidung für die Innenstadtlage eine ganz bewusste. Trampolinhallen stehen meistens draußen im Gewerbegebiet. Parkplatz und Auto vorausgesetzt. Brigitte wollte das Gegenteil. Der Bahnhof ums Eck und die Öffis vor der Tür. Seit Eröffnung sind fünf Jahre vergangen und vor ihrem Eingang steht eine Radstation und sie heißt auf der Karte "Highmatrausch".
Das war ihr Plan.

Wenn ein Parkplatz plötzlich einen Namen bekommt
Der Highmatrausch ist Vorarlbergs erster Trampolin- und Actionpark. 3.000 Quadratmeter, 365 Tage geöffnet, mitten in Dornbirn. Trampoline, Ninja-Parcours, Pumptrack und eine Inhaberin, die selbst so oft wie möglich mit dem Rad zur Arbeit kommt.
Als der Verkehrsverbund Vorarlberg mit dem VMOBIL-Radprojekt auf sie zukam, war Brigitte sofort dabei. Sie wurde Teil eines stadtweiten Leihradsystems: 21 Stationen, 109 Räder — die erste stationsbasierte Lösung dieser Art in Vorarlberg. Die Räder lassen sich per App ausleihen, am Zielort abstellen und machen den Weg danach unkompliziert weiter planbar. Wer ein Klimaticket hat, zahlt für dreißig Minuten einen Euro. Wer das Rad zwischendurch abstellen möchte, ohne die Fahrt zu beenden, kann den Parkmodus aktivieren. Außerdem lassen sich Räder bis zu 15 Minuten im Voraus reservieren.
Brigitte
„Wenn man als Betrieb mitmachen kann, hat man einen Mehrwert — man wird im Kontext mit öffentlichem Verkehr genannt. Das ist toll, wenn man nachhaltig agieren mag", erzählt sie lächelnd.

Für Brigitte geht es nicht nur um Sichtbarkeit, es geht ihr um Haltung. E-Scooter? Nicht ihr Ding, zu teuer, die freien Abstellzonen zu chaotisch, die Sicherheit fragwürdig. Ein System mit festen Stationen, das man verlässlich nutzen und verlässlich abstellen kann: genau das sollte es sein und genau das hat sie nun.
Die letzte Meile — und warum sie das eigentliche Problem ist
Vorarlberg gilt als Vorzeigeregion für klimafreundliche Mobilität. Dichtes Streckennetz, günstige Tickets, moderne Busflotte. Man kommt fast überall hin, aber "fast" ist hier das entscheidende Wort. Zwischen Bahnhof und Ziel bleiben oft ein paar hundert Meter übrig, die zu lang zum Laufen und zu kurz für alles andere sind. Das eigene Rad hat man nicht immer dabei, der nächste Bus kommt nicht sofort.
Heidrun vom Verkehrsverbund Vorarlberg nennt das die "letzte Meile" — und beschreibt damit das eigentliche Nadelöhr moderner Alltagsmobilität. Das VMOBIL Rad ist ihre Antwort darauf.
Heidrun
„Dornbirn wurde als Pilotstadt gewählt, weil es die größte Stadt Vorarlbergs ist und gleichzeitig jene mit der höchsten Sharing-Affinität im Land. Wird das Angebot hier nicht angenommen, ist ein Leihradsystem in Vorarlberg kaum vorstellbar.“


Dass es klappt, liegt auch daran, dass Partner wie Brigitte mitmachen. Ohne Wirtschaftspartner wären die Preise zu hoch und das Netz zu dünn — das sagt Heidrun offen. Die Kombination aus öffentlicher Hand und engagierten Unternehmen macht das System erst tragfähig. Bereits mit an Bord sind neben dem Highmatrausch auch Sparkasse, Hypo, Raiffeisenbank, der Messepark, das Energieinstitut Vorarlberg und die Fachhochschule Vorarlberg. Vor Ort sorgen Kaplan Bonetti für die Radverteilung und die Offene Jugendwerkstätte Dornbirn für Wartung und Service — lokal, nah, verlässlich.
Yevsei und die Mittagspause
Yevsei arbeitet im Highmatrausch und kommt mit dem Bus aus Lustenau. Er fängt um halb eins an und ist meist bis 21 Uhr da. In der Pause: kurz raus, eine Erledigung, frische Luft. Der Spar, die Post, der Bahnhof — das ist sein Radius und mit dem Rad sind das Minuten, nicht Viertelstunden.
Yevsei
„Einfach schneller — man braucht weniger Zeit, gerade wenn es in der Arbeit mal stressig ist, ist das super entspannt"

Und er wird die neuen Räder auch privat nutzen. Yevsei ist öfter mal in Dornbirn, auch außerhalb der Arbeit, da nutzt er die bisherigen Leihräder aus Dornbirn schon sehr gerne. Wohin seine erste Fahrt von der Highmatrausch Station aus gehen wird? „In der Mittagspause einen Leberkäse holen natürlich, ist doch klar“, lacht er.
Brigitte sieht das bei ihrem Team ähnlich. Fünf von elf Mitarbeiter(inne)n kommen mit dem Auto und daran ändert sich so schnell nichts. Aber die anderen sechs, viele davon Schüler(innen) und Studierende, die mit Öffis kommen: "Die werden das Rad nutzen", sagt Brigitte. Vom Bahnhof zur Halle und für Zwischenstopps im Alltag. Das Team war sofort dabei und dass es Fahrräder sind und keine Scooter, hat die Begeisterung noch verstärkt.
Wer noch davon profitiert
Die Station "Highmatrausch" ist nicht nur für die Mitarbeiter(innen). Sie ist für alle, die kommen — Familien mit dem Zug, Kund(inn)en ohne Auto, Menschen, die in der Innenstadt noch etwas erledigen und dann rüberradeln. Und für jene, die gar nicht in die Halle wollen, aber ein Rad brauchen und dabei an der Station vorbeikommen. Ein Name auf der Karte und plötzlich ist der Highmatrausch Teil der Infrastruktur.
Heidrun denkt weiter als die 21 Stationen. Es gibt noch einige Quartiere in Dornbirn, die noch nicht gut genug angebunden sind, die noch auf einen Partner warten, der mitmacht. Denn ohne Wirtschaft geht es nicht. Die öffentliche Hand allein kann ein solches Netz nicht stemmen — nicht finanziell, nicht von den Standorten her. Jede neue Station braucht ein Unternehmen dahinter, das seinen Namen hergibt, seinen Parkplatz, seine Überzeugung. Brigitte hat das getan. Jetzt suchen sie die Nächsten. Apropos Brigitte, sie hofft einfach, dass es nach den zwei Pilotjahren weitergeht.
Brigitte
„Ich verstehe gar nicht, dass man sowas nicht einfach machen kann."

VMOBIL Rad Dornbirn — Das Wichtigste auf einen Blick
VMOBIL Rad Dornbirn — Das Wichtigste auf einen Blick
21 Stationen im Stadtgebiet Dornbirn
109 Leihräder
nextbike
1,50 € 30 Min. — mit KlimaTicket 1,00 €
59,00 €/Jahr — mit KlimaTicket 39,00 €/Jahr
gratis
Sparkasse, Hypo, Raiffeisenbank, Messepark, Highmatrausch, Energieinstitut Vorarlberg, FH Vorarlberg u.a.
hidornbirn — erste Fahrt bis 30 Min. gratis, gültig bis 7.6.2026


