Ihr Haus wurde vorgefertigt, auf Lastwagen angeliefert und stand in nur zwei Tagen.

Julia und Robert bauten 2024 in Alberschwende ein Holzhaus – von Februar bis Jahresende, schneller als erwartet.

Die Geburt ihrer Tochter Mia war der Auslöser: Mehr Platz, Garten, ein eigenes Zuhause sollte es sein.

Holz war von Anfang an gesetzt – ökologisch, schnell, mit regionalem Handwerk und bedürfnisorientierter Planung.

Das Raumklima überrascht täglich: warme Atmosphäre, frische Luft, Aussicht bis zum Säntis, kein Detail bereuen sie.

Bei „Kumm ga Luaga" zeigen sie ihr Zuhause – um anderen Mut zu machen und Vorarlberger Handwerk sichtbar zu machen.

Die Luft riecht nach Holz, durch die bodentiefen Fenster fällt Licht auf den hellen Parkettboden. Draußen sieht man den Vorderwald, dahinter die Silhouette des Säntis. Eine junge Frau sitzt barfuß im Wohnraum, spürt die Wärme des Holzes unter den Füßen. Oben tippt ihr Mann am Schreibtisch, der Blick schweift über die Hügel. Hier, auf einem Hanggrundstück im Bregenzerwald, haben Julia und Robert ihr Zuhause gebaut. Ein Haus, in dem sie leben, arbeiten und ihre Tochter aufwachsen sehen. Dass sie mit Holz bauten, war nie eine Frage, sondern eine einfache Entscheidung. Und die Reise dorthin war überraschend: Sie haben den Bau genossen.

Vom Wohnungsmarkt ins eigene Holzhaus

Vor einigen Jahren lebten die beiden in einer Wohnung mitten in Bregenz. Hier fühlten sie sich wohl, doch mit der Geburt von Mia änderte sich die Perspektive.

Mehr Platz, ein Garten, Möglichkeiten für die Familie. Der Wohnungsmarkt war teuer, eine größere Wohnung kaum leistbarer als ein Haus. Dass Roberts Eltern in den 70er-Jahren ein Grundstück für die Söhne dazugekauft hatten, war lange kein Thema gewesen. Es liegt nur wenige Schritte von seinem Elternhaus entfernt, in dem sie bis heute wohnen. Robert, gebürtig aus dem Bregenzerwald, hatte 30 Jahre außerhalb gelebt, international gearbeitet und in Uganda Projekte in der Entwicklungszusammenarbeit geleitet.

2023 aber fiel die Entscheidung: Wir bauen. Das Grundstück war ja schon da.

Architektin Catharina Fineder aus Feldkirch entwarf die Pläne, die Holzbaufirma Alpina Hausbau übernahm als Generalunternehmer die Umsetzung. Im Frühjahr 2024 war Baubeginn, Ende 2024 zogen sie ein. Das hohe Tempo war ambitioniert, aber dank guter Abstimmung und eingespielter Zusammenarbeit aller Beteiligten realistisch. Der Bauleiter, Dominik Baldauf koordinierte präzise, und die Entscheidungen fielen in Ruhe.

„Hausbauen kann durchaus Spaß machen. Es ist eine intensive Phase, viele Entscheidungen, viel auf der Baustelle. Aber wir haben die Termine mit der Baufirma immer gern gehabt."

 
Robert 

Holz war gesetzt

Die Frage nach dem Material stellte sich nicht. Ziegel wäre günstiger gewesen, doch Holz war schneller, ökologischer, und die Architektin empfahl es. Julia, geboren im Mekongdelta, aufgewachsen in Lochau, promovierte Diversitätsbeauftragte an der PH St. Gallen, hatte Catharina Fineder über die Arbeit kennengelernt. Die Architektin arbeitet im Bereich Gender-Architektur. Generell ist sie beim Planen der Objekte sehr bedürfnisorientiert und richtet sich nicht nach eigenem Geschmack, sondern danach, was die Familie wirklich braucht. Die Grundidee des Hauses änderte sich nie, doch die Pläne wurden mit Alpina anhand der Praxiserfahrung optimiert. Das zeigt sich in vielen Kleinigkeiten.

Diese Kleinigkeiten und das ganze Haus könnt ihr am Tag der offenen Türen der Vorarlberger Holzbaukunst "kumm ga luaga" am 26. September kennenlernen. Geheimtipp: Wer mehrere Häuser besucht, kann außerdem eine Ballonfahrt im Heißluftballon der Vorarlberger Nachrichten gewinnen.

SAVE THE DATE

kumm ga luaga
26. September 2026, 9 bis 16 Uhr

Tag der offenen Türen mit den Holzbauprofis: Besichtige einzigartige Gebäude und mach mit beim kumm ga luaga-Gewinnspiel!

„Zwei Arbeitszimmer waren Pflicht, ich arbeite chaotisch, Robert am Clean Desk. Dafür wurde das Schlafzimmer kleiner, das spürt man aber nicht. Der Garten war uns beiden wichtig, es gab aber Entscheidungen die wir dem jeweils anderen überlassen haben. Besipielsweise war die Holzfassade Robert wichtiger als mir", erzählt Julia lachend.

Alpina zeigte Fotodatenbanken früherer Projekte, so entstand eine konkrete Vorstellung. Lehmbau war kurz im Gespräch, doch zu unflexibel in der Innenarchitektur. Holz bot Exaktheit, Geschwindigkeit und genug Anbieter im Bregenzerwald, die sich bestens damit auskennen. Außerdem ist so ein Holzhaus im Bregenzerwald ja eigentlich fast schon Pflicht.

Im Nachhinein überraschte das Raumklima: kein stickiger Geruch, selbst nach drei Wochen Urlaub frische Luft. Die Erdwärmepumpe mit Bodenheizung sorgt für angenehme Temperaturen, Holz für eine warme Atmosphäre. Sichtbeton kombinierten sie punktuell, doch im Haus wollten sie Holz und angenehme Farben.

Die Planungsphase dauerte etwa ein Jahr. Die Ideen mussten reifen, wie Julia es ausdrückt: „Schwanger gehen mit der Idee." Kein Zeitdruck, keine Hektik. Bei den Quadratmetern haben sie bewusst gespart. Jeder sollte einen klaren Nutzen haben. Überrascht hat sie am Ende, wie großzügig sich die Räume trotzdem anfühlen. Die erste Planungsphase war ein Prozess, in dem alle Beteiligten mitdachten. Der Bauleiter las Gedanken, die Handwerker(innen) hinterließen ihren Fingerabdruck. Alle arbeiteten auf Augenhöhe, mit Handschlagqualität.

Am 29. Februar 2024, im Schaltjahr, war Spatenstich. Für Robert war der größte Moment, als das Haus in zwei Tagen aufgestellt wurde. Der Betonkeller stand, dann kamen die Holzelemente.

 

"Ich habe extra freigenommen, um zuzusehen: das erste Mal durchs Gebäude gehen, spüren, ob das Konzept aufgeht. Julia hatte das gestapelte Haus vorher bei Alpina gesehen. Erst im aufgestellten Zustand wurde uns die Raumgröße real", erzählt uns Robert stolz.

Heute sieht Robert von seinem Schreibtisch aus bis zum Säntis, ohne dass ihm ein Nachbar hineinblickt. Die Firstfeier feierten sie mit allen Handwerker(inne)n in der Garage der Eltern. Die erste Nacht im neuen Haus war unbeschreiblich.

Was trägt, ist die Haltung

Bei „kumm ga Luaga" öffnen Julia und Robert ihr Haus für Interessierte. Alpina hat gefragt, ob sie mitmachen wollen, und die beiden sagten aus Überzeugung zu. Nicht, weil sie sich präsentieren wollen, sondern weil sie etwas zurückgeben möchten. Wenn es dem Vorarlberger Handwerk hilft, andere motiviert und inspiriert, tun sie es gerne. Für Menschen, die selbst bauen wollen, kann es eine Hilfe sein, Dinge zu sehen und zu verstehen, wie Entscheidungen fallen. Ihr wichtigster Rat: die richtige Haltung. Man muss Handwerker(innen) schätzen, auf Augenhöhe begegnen, ihre Arbeit würdigen. Das spüren die Menschen, und es prägt die Zusammenarbeit. Auch bei Problemen zählt ein vernünftiger Umgang.

Julia und Robert würden nichts an ihrem Haus ändern. Hunderte Entscheidungen haben sie getroffen, doch keine bereuen sie. Faszinierend sei, wie aus einer Vorstellung nach und nach ein Gebäude materialisiert: eine Idee, die plötzlich steht und ein Leben prägt. Ein Haus baut man nur einmal, sagt Robert. Es ist ein Statement, wie man sich sieht. Und es verändert einen. Die Gartenarbeit am Abend genießt er besonders. Hausbauen kann Spaß machen, wenn man die richtigen Menschen findet und die Ideen reifen lässt. 

Und wer noch mehr sehen will: 2027 vergibt die Vorarlberger Holzbaukunst wieder den Vorarlberger Holzbaupreis für die besten Holzbauprojekte des Landes.

Text on black background reading: "VORARLBERGER HOLZ BAU LIVE kumm ga luaga".

Produziert von Russmedia Digital GmbH für vorarlberger holzbau_kunst

Texte: Johannes Walchner - Fotos & Videos: Petra Rainer, Johannes Walchner