WIrtschaft im ländle

Ein Jahr voller Druck – und dennoch voller Perspektiven

Audio wurde mit KI generiert

Kurze Zusammenfassung:

  • Vorarlbergs Wirtschaft steht unter Druck, zeigt aber dank Industrie und Tourismus weiterhin bemerkenswerte Stabilität.
  • Trotz hoher Inflation und Rezession bleiben viele Hidden Champions im Land erfolgreich und tragen die regionale Stärke.
  • Der Tourismus verzeichnet gute Buchungen, doch steigende Kosten und kürzere Aufenthalte schmälern die Erträge.
  • Haushalte sparen aus Unsicherheit mehr, während Unternehmen wegen höherer Kosten und geringer Margen unter Druck stehen.
  • KI wird einfache Tätigkeiten ersetzen, doch Miglar betont, dass Weiterbildung und kluge Strategien entscheidend sein werden.
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Inflation, Rezession, steigende Arbeitslosigkeit: Vorarlberg geht mit spürbarer wirtschaftlicher Last ins neue Jahr. Marktvorstand Manfred Miglar der Raiffeisen Landesbank Vorarlberg erklärt, warum die Lage ernst ist, welche Bereiche trotzdem Stärke zeigen – und weshalb jetzt Klarheit, Tempo und Haltung entscheidend sind.

Manfred Miglar   

„Der Cocktail ist nicht erfreulich“

Am Jahresende reden viele lieber über Weihnachten, Familie und Vorsätze als über Wirtschaftsdaten. Und trotzdem: Gerade nach so einem Jahr braucht es jemanden, der die Lage einordnet, ohne sie dramatischer zu machen als sie ist – und ohne sie schönzureden.

Manfred Miglar spricht offen über die wirtschaftliche Stimmung im Land. Sein Befund ist klar und ungeschönt: „Der gesamte Cocktail, der Mix, der ist nicht wirklich erfreulich im Moment.“ – Manfred Miglar, Marktvorstand der Raiffeisen Landesbank Vorarlberg

Damit beschreibt er eine Lage, die viele Menschen in Vorarlberg spüren: eine Rezession, die sich nicht nur in Zahlen zeigt, sondern im Alltag ankommt; steigende Arbeitslosenzahlen; und ein wirtschaftliches Umfeld, das von Unsicherheit geprägt ist.

Vorarlberg trifft es besonders empfindlich, weil die Industrie ein zentraler Pfeiler der regionalen Wertschöpfung ist.

„Wir sind in Vorarlberg im Industriefokus. Jeder vierte Euro in Vorarlberg wird im weitesten Sinne aus der Industrie heraus erwirtschaftet.“

Manfred Miglar

Hier gehts zum ganzen Interview mit Manfred Miglar

Wenn dieser Bereich schwächelt, wird das im ganzen Land spürbar – vom Arbeitsmarkt über die Exportzahlen bis hin zur Stimmung in den Unternehmen. Und dennoch: Miglar vermeidet Katastrophenrhetorik. Er erinnert daran, dass Vorarlberg viele Betriebe hat, die trotz der schwierigen Rahmenbedingungen stabil bleiben. Hidden Champions, wie er sie nennt – regionale Unternehmen mit hoher Spezialisierung, starken internationalen Märkten und Innovationskraft, die auch in turbulenten Zeiten beeindrucken.

Industrie, Tourismus, Handel – ein Land zwischen Belastung und Stabilität

Die industrielle Ausrichtung ist Fundament und Risikofaktor zugleich. Österreich liegt in vielen europäischen Standortvergleichen am unteren Ende – und wenn der übergeordnete Rahmen schwächelt, trifft das unweigerlich auch das wirtschaftlich starke Vorarlberg.

Doch die Wirtschaft besteht nicht nur aus Industrie. Besonders der Tourismus zeigt, dass selbst in turbulenten Zeiten positive Signale möglich sind. Der frühe Wintereinbruch Ende November, pünktliche und teils vorgezogene Skigebietsöffnungen und eine starke Buchungslage haben spürbar für Auftrieb gesorgt. Die vergangene Wintersaison erreichte mit rund fünf Millionen Nächtigungen wieder exakt das Niveau der Vor-Corona-Zeit.

Auffällig ist, dass Gäste kürzer bleiben, aber häufiger kommen – besonders im gehobenen Segment zwischen Vier-Sterne-Superior und Fünf-Sterne. Der wirtschaftliche Schatten liegt allerdings auf den Kosten: Energiepreise und höhere Löhne drücken die Rentabilität trotz voller Häuser.

Im Handel zeigt sich ein ähnliches Bild. Die Stimmung ist vorsichtig, aber stabil. Notwendiges wird gekauft, Luxus wird verschoben. Die Konsument(inn)en im Land priorisieren – sie stoppen jedoch nicht. Insgesamt bleibt der Handel auf Vorjahresniveau.

Das sagen die Vorarlberger(innen)

Export, Deutschland und die hohe Inflation

Dass Vorarlberg stark exportorientiert ist, gehört zur Identität des Landes. Zugleich entsteht dadurch Abhängigkeit – besonders von Deutschland. Die schwächere deutsche Konjunktur wirkt unmittelbar.

Trotzdem sieht Miglar Chancen: Investitionspakete in den Bereichen Verteidigung und Infrastruktur könnten frische Impulse setzen. Im Automotive-Bereich zeigt sich für 2025 sogar ein leichtes Plus – begünstigt durch bewusst vorgezogene Projekte.

Die Inflation dagegen bleibt eine Herausforderung. Österreich liegt deutlich über dem Durchschnitt des Euroraums. Zwei Faktoren erklärt Miglar besonders deutlich: das Auslaufen der Strompreisbremse per 1.1.2025 sowie Dienstleistungspreise, vor allem in der Gastronomie und Hotellerie, die durch höhere Löhne massiv gestiegen sind.

Für Haushalte zeigt sich die Teuerung am Kassazettel, aber auch am Lohnzettel. Real betrachtet stehen viele ähnlich da wie vor Corona. Für Unternehmen hingegen sind die Margen durch steigende Kosten klar geschrumpft.

Sparen als Sicherheitsanker – und ein Arbeitsmarkt, der sich wandelt

Ein Blick auf die Sparguthaben zeigt die Stimmung im Land eindrucksvoll. 2025 liegen österreichweit rund 325 Milliarden Euro auf Konten und Sparbüchern – ein historischer Höchstwert. Nominal ein Zuwachs, real jedoch ein Verlust an Wert.

Miglar spricht von einer neuen Form des Sparens, die von Unsicherheit getrieben ist. Große Ausgaben wie Wohnungskäufe oder größere Anschaffungen werden aufgeschoben, während kürzere Urlaube weiterhin beliebt bleiben – nur kompakter.

Gleichzeitig steigen die Arbeitslosenzahlen, wenn auch weniger stark, als die Rezession vermuten lassen könnte. Zwei Entwicklungen stabilisieren den Markt: die hohe Teilzeitquote und die Personalzuwächse in staatsnahen Bereichen.

„Würden wir so viel arbeiten wie vor Corona, dann würde die Arbeitslosigkeit sich sofort verdoppeln.“

Manfred Miglar

Während Arbeitslosigkeit steigt, bleibt der Fachkräftemangel deutlich spürbar – vor allem im Maschinenbau und in IT-nahen Bereichen. Die demografische Entwicklung verstärkt das: Ab 2028 wird die Zahl der Erwerbspersonen erstmals sinken.

Künstliche Intelligenz als Entlastung – und als Auftrag

Auf die Rolle von KI blickt Miglar realistisch und zugleich konstruktiv. KI wird jene Arbeit übernehmen, die repetitiv und wenig wertschöpfend ist.

„Repetitive Tätigkeiten, die derzeit noch zum Alltag gehören, werden in Zukunft nicht mehr gebraucht werden.“

Doch er warnt vor einfachen Erzählungen: Nicht jede freigesetzte Arbeitskraft kann sofort umgeschult werden. Entscheidend ist eine aktive Transformation, Weiterbildung und das Etablieren klarer KI-Strategien in Unternehmen. Miglar beobachtet, dass viele Mitarbeiter:innen KI privat bereits effizient einsetzen, während ganze Organisationen noch hinterherhinken.

Standort, Verantwortung – und der Blick nach vorne

Auf die Frage, wer Verantwortung für die aktuelle wirtschaftliche Lage trägt, nennt Miglar nicht einzelne Schuldige, sondern strukturelle Entwicklungen: Österreich habe Wettbewerbsfähigkeit verloren, die Steuerlast bremse Wachstum und Bürokratie verzögere Investitionen massiv.

„Wir haben uns sicher auf alten Erfolgen ausgeruht, das uns jetzt auf den Kopf fällt.“

Aus seiner Sicht braucht es klare Prioritäten: schnellere Entscheidungen, weniger Bürokratie, eine konsequente Industriestrategie und eine Modernisierung der Rahmenbedingungen – und zwar früher als 2026.

Haltung macht den Unterschied

Trotz aller Herausforderungen bleibt Miglar optimistisch – nicht naiv, sondern aus der Überzeugung heraus, dass das Land die Fähigkeiten hat, die es jetzt braucht.

„Mein Neujahrsvorsatz ist es, weniger zu jammern, mehr Optimismus selber auszustrahlen und zu zeigen, Einsatzbereitschaft lohnt sich.“

Dieser Satz wirkt über das Gespräch hinaus. Er beschreibt, was Vorarlberg in vielen Jahrzehnten stark gemacht hat: Mut, Fleiß, Realismus und der Wille, Verantwortung zu übernehmen.

2025 war kein leichtes Jahr. Aber eines, das Klarheit bringt. Eines, das Veränderung einfordert. Und eines, das zeigt, dass das Ländle nicht nur Probleme hat, sondern Perspektiven – manche sichtbar, andere noch in Arbeit.

Druck ist da.

Stärke aber auch.

Und genau in dieser Spannung liegt das Potenzial des neuen Jahres.

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Produziert von Russmedia Digital GmbH für Raiffeisenbank Vorarlberg
Texte: Stephanie Herweg - Fotos & Video: Russmedia Digital, LändleTV, Raiffeisenbank Vorarlberg

Dieser Artikel wurde im Auftrag des werbetreibenden Unternehmens erstellt.

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